Technology/13. Oktober 2026/4 min read

Wie funktioniert ChatGPT? Einfach erklärt

ChatGPT sagt Wort für Wort voraus, was als Nächstes am wahrscheinlichsten passt. Einfach erklärt: Training, Antworten und was mit Ihrem Text passiert.

Wie funktioniert ChatGPT? Einfach erklärt

ChatGPT ist ein Chatprogramm von OpenAI, das Ihre Frage liest und die Antwort Stück für Stück so zusammensetzt, wie sie am wahrscheinlichsten weitergeht. Dahinter steckt ein großes Sprachmodell (LLM), das aus riesigen Textmengen gelernt hat, wie Sprache aufgebaut ist. Es schlägt nicht in einer Datenbank nach, sondern berechnet Wort für Wort die passende Fortsetzung. Deshalb klingen die Antworten flüssig, sind aber nicht automatisch richtig.


Ein Vergleich aus dem Alltag

Kennen Sie die Wortvorschläge auf Ihrem Handy? Sie tippen „Ich komme heute etwas" und das Handy schlägt „später" vor. ChatGPT funktioniert im Kern ähnlich, nur unvorstellbar viel größer. Es hat nicht ein paar Tausend Ihrer Nachrichten gesehen, sondern einen großen Teil der öffentlich verfügbaren Texte. Und es schlägt nicht nur ein Wort vor, sondern schreibt ganze Absätze, Briefe oder Tabellen, Baustein für Baustein.


Phase 1: Das Training

Bevor ChatGPT antworten kann, wird das Modell trainiert. Das passiert lange vor Ihrer Frage und in zwei groben Schritten:

1. Lesen lernen. Das Modell bekommt sehr große Mengen Text, etwa Bücher, Webseiten und andere Quellen. Bei jedem Satz übt es, das nächste Textstück vorherzusagen, und korrigiert sich bei jedem Fehler ein winziges bisschen. Nach Milliarden solcher Übungen kennt es Grammatik, Fakten, Stile und Zusammenhänge, als Wahrscheinlichkeiten gespeichert.

2. Hilfreich antworten lernen. Ein Modell, das nur Text fortsetzt, ist noch kein guter Gesprächspartner. Deshalb wird es nachtrainiert: Menschen schreiben Beispielantworten und bewerten verschiedene Antworten des Modells. OpenAI nannte diesen Schritt beim Start von ChatGPT im November 2022 „Reinforcement Learning from Human Feedback", also Lernen aus menschlichen Rückmeldungen. Dadurch lernt das Modell, Fragen zu beantworten, nachzufragen und bestimmte Anfragen abzulehnen.

Wichtig: Was das Modell im Training gelernt hat, hat einen Stichtag. Neuere Ereignisse kennt es nur, wenn es zusätzlich im Web sucht.


Phase 2: Das Antworten

Wenn Sie eine Frage eintippen, passiert Folgendes:

  1. Zerlegen: Ihr Text wird in kleine Bausteine zerlegt, sogenannte Tokens.
  2. Kontext sammeln: Zusammen mit Ihrer Frage gehen der bisherige Chatverlauf, hochgeladene Dateien und Anweisungen des Anbieters an das Modell.
  3. Vorhersagen: Das Modell berechnet, welches Token am besten als Nächstes passt, hängt es an und rechnet erneut. So entsteht die Antwort, die Sie Wort für Wort auf dem Bildschirm sehen.
  4. Werkzeuge: Bei Bedarf sucht ChatGPT zusätzlich im Web oder liest Ihre Dateien und baut das Ergebnis in die Antwort ein.

Weil das Modell Wahrscheinlichkeiten berechnet, kann es überzeugend klingende Fehler produzieren. Mehr dazu in KI-Halluzination.


Ein Beispiel aus der Praxis

Ein erfundenes Beispiel: Die Physiotherapeutin Lena Schubert aus Freiburg bittet ChatGPT um einen Übungsplan für Patienten nach einer Knie-OP. Die Antwort ist gut strukturiert und klingt fachkundig. Sie übernimmt die Gliederung, prüft aber jede Übung selbst, weil das Modell ihren Patienten und den Heilungsverlauf nicht kennt. Den Namen und die Diagnose ihres Patienten tippt sie bewusst nicht ein.


Was mit Ihrem Text passiert, wenn Sie auf Senden drücken

Ihre Eingabe verlässt Ihren Rechner und wird auf den Servern des Anbieters verarbeitet. Was danach passiert, hängt von Konto und Einstellungen ab:

  • Gespräche werden in Ihrem Verlauf gespeichert, bis Sie sie löschen.
  • Nach OpenAIs eigenen Angaben können Gespräche in der Verbraucherversion zum Training künftiger Modelle genutzt werden, wenn Sie nicht widersprechen. Business- und API-Angebote werden standardmäßig nicht zum Training genutzt.
  • OpenAI gibt an, keine Nutzerdaten zu verkaufen.

Die ausführliche Einordnung, auch zur DSGVO, lesen Sie in Ist ChatGPT sicher?


Was das für vertrauliche Daten bedeutet

Praktischer Tipp: Prüfen Sie in den Einstellungen Ihres KI-Werkzeugs, ob Ihre Gespräche zum Training verwendet werden dürfen, und schalten Sie das ab. Für Patienten- oder Mandantendaten reicht das allein nicht: Sie brauchen einen Auftragsverarbeitungsvertrag.

Der tiefere Punkt: Die DSGVO schützt nur, was sich auf eine bestimmbare Person bezieht. Darf ein Anbieter Eingaben weiterverwenden, fallen anonymisierte Inhalte aus dem Datenschutz heraus und dürfen legal gebündelt und verkauft werden. Das gilt für jeden Anbieter mit solchen Bedingungen. Wie das aussieht, zeigt die Datenspur.

Wysor bietet GPT-Modelle neben Claude, Gemini und weiteren in einem privaten Arbeitsbereich. Wysor handelt als Auftragsverarbeiter nach Art. 28 DSGVO, nimmt sich keine Lizenz zur Weiterverwendung Ihrer Inhalte und trainiert nie damit. Jeder angebundene KI-Anbieter arbeitet mit Zero Data Retention, Ihre Daten sind verschlüsselt und in der EU gehostet.


Häufige Fragen

Wie funktioniert ChatGPT einfach erklärt? ChatGPT hat aus sehr vielen Texten gelernt, wie Sprache weitergeht. Auf Ihre Frage berechnet es Stück für Stück die wahrscheinlich passende Antwort, ähnlich wie die Wortvorschläge im Handy, nur viel leistungsfähiger.

Woher hat ChatGPT sein Wissen? Aus dem Training mit großen Textmengen, etwa öffentlich zugänglichen Webseiten, Büchern und lizenzierten Daten. Aktuelle Informationen holt es sich nur über eine Websuche.

Lernt ChatGPT aus meinen Eingaben? Nicht sofort im laufenden Gespräch. In der Verbraucherversion können Ihre Gespräche aber laut OpenAI für das Training künftiger Modelle genutzt werden, sofern Sie das nicht abschalten.

Ist ChatGPT eine Suchmaschine? Nein. ChatGPT erzeugt Text, statt Quellen aufzulisten. Mit eingeschalteter Websuche kann es Quellen einbeziehen, die Sie aber selbst prüfen sollten.


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