
Ein Token ist ein kleines Stück Text, meist ein Wort oder ein Wortteil, in das eine KI Ihre Eingabe zerlegt, bevor sie damit rechnet. Sprachmodelle wie GPT, Claude oder Gemini lesen keine ganzen Sätze, sondern Tokens. Ein kurzes Wort ist oft ein Token, ein langes deutsches Wort wie „Krankenversicherungsbeitrag" besteht aus mehreren. Tokens bestimmen zwei Dinge: wie viel Text eine KI auf einmal verarbeiten kann und was eine Anfrage kostet.
Ein Vergleich aus dem Alltag
Denken Sie an Legosteine. Ein fertiges Haus ist ein ganzer Text. Die KI baut es aber Stein für Stein auf, und jeder Stein ist ein Token. Häufige Wörter sind große Fertigteile („und", „der"), seltene oder lange Wörter werden aus mehreren kleinen Steinen zusammengesetzt.
Auch die Antwort entsteht so: Die KI setzt Token an Token, immer den wahrscheinlich passenden nächsten Stein.
Wie viele Wörter sind ein Token?
Eine verlässliche Faustregel gibt es nur für Englisch. OpenAI nennt für englischen Text grob:
- 1 Token entspricht etwa 4 Zeichen,
- 100 Tokens entsprechen etwa 75 Wörtern.
Deutsch braucht meist mehr Tokens als Englisch für denselben Inhalt. Das liegt an langen zusammengesetzten Wörtern, Umlauten und daran, dass die Zerlegung vieler Modelle vor allem mit englischem Text entwickelt wurde. Wie groß der Unterschied ist, hängt vom Modell ab. Jedes Modell zählt etwas anders, deshalb ist dieselbe Seite bei GPT, Claude und Gemini nicht exakt gleich viele Tokens lang.
Was ist ein Kontextfenster?
Das Kontextfenster ist die Menge an Tokens, die ein Modell in einem Gespräch auf einmal „im Blick" haben kann. Dazu zählt alles: Ihre Anweisung, hochgeladene Dokumente, der bisherige Chatverlauf und die Antwort.
Aktuelle große Modelle schaffen je nach Anbieter einige hunderttausend bis etwa eine Million Tokens. Das klingt nach sehr viel, und es ist auch viel: Ganze Bücher passen hinein.
Aber: Ein großes Kontextfenster heißt nicht, dass die KI alles darin gleich gut beachtet. Bei sehr langen Texten übersehen Modelle häufiger Details, besonders in der Mitte. Dieses Phänomen heißt Context Rot. Wir erklären es auf unserer Seite Context Rot.
Ein Beispiel aus der Steuerkanzlei
Ein erfundenes Beispiel: Steuerberater Thomas Heinrich aus Augsburg lädt den Jahresabschluss eines Mandanten (80 Seiten) und dazu drei Betriebsprüfungsberichte hoch. Er fragt: „Welche Punkte wurden in allen Prüfungen beanstandet?"
- Der gesamte Stapel umfasst grob geschätzt mehrere zehntausend Tokens. Das passt in das Kontextfenster eines aktuellen Modells.
- Trotzdem kann die KI einen Punkt auf Seite 47 übersehen. Sicherer ist ein Verfahren, das zuerst die passenden Stellen heraussucht und dann nur diese an das Modell gibt. Das nennt man RAG, siehe Was ist ein RAG-System?
- Herr Heinrich bittet außerdem um Seitenangaben zu jedem Punkt, damit er schnell nachprüfen kann.
Warum Tokens Geld kosten
Wer KI-Modelle direkt über eine Schnittstelle (API) nutzt, bezahlt pro Token. Meist gibt es zwei Preise:
- Eingabe-Tokens: alles, was Sie schicken, inklusive Dokumente und Chatverlauf.
- Ausgabe-Tokens: alles, was die KI schreibt. Diese sind in der Regel teurer.
Daraus folgen drei einfache Spartipps:
- Neues Thema, neuer Chat. Ein langer Verlauf wird bei jeder Nachricht erneut mitgeschickt.
- Nur das Nötige hochladen. Kapitel statt ganzer Ordner.
- Länge vorgeben. „Maximal 200 Wörter" spart Ausgabe-Tokens und Lesezeit.
Bei Abo-Produkten sehen Sie die Tokens nicht direkt. Sie stecken aber hinter Nutzungslimits.
Was das für vertrauliche Daten bedeutet
Jedes Token, das Sie schicken, ist ein Stück Ihres Textes, das beim Anbieter ankommt. Praktischer Tipp: Laden Sie bei langen Dokumenten nur die Abschnitte hoch, die Sie wirklich brauchen. Das spart Tokens und reduziert gleichzeitig, wie viele vertrauliche Daten Ihr Haus verlassen.
Wichtig ist außerdem, was der Anbieter danach damit tun darf. Die DSGVO schützt nur, was sich auf eine bestimmbare Person bezieht. Erlauben die Bedingungen eine Weiterverwendung, können anonymisierte Inhalte legal gebündelt und verkauft werden. Wie das abläuft, zeigt die Datenspur.
Wysor ist ein privater KI-Arbeitsbereich mit mehreren Modellen (GPT, Claude, Gemini und weitere). Wysor handelt als Auftragsverarbeiter nach Art. 28 DSGVO, trainiert nie mit Ihren Inhalten und verkauft sie nie. Jeder angebundene KI-Anbieter arbeitet mit Zero Data Retention: verarbeitet, dann gelöscht.
Häufige Fragen
Was ist ein Token einfach erklärt? Ein Token ist ein Textbaustein, meist ein kurzes Wort oder ein Wortteil. KI-Modelle zerlegen jeden Text in Tokens, rechnen damit und setzen ihre Antwort wieder Token für Token zusammen.
Wie viele Tokens hat eine Seite Text? Das hängt von Sprache und Modell ab. Für Englisch gilt grob: 100 Tokens sind etwa 75 Wörter. Deutscher Text braucht für denselben Inhalt meist mehr Tokens.
Was passiert, wenn das Kontextfenster voll ist? Je nach Werkzeug wird älterer Gesprächsverlauf abgeschnitten oder zusammengefasst, oder Sie erhalten eine Fehlermeldung. Die KI „vergisst" dann frühere Teile des Gesprächs.
Haben Tokens etwas mit Krypto zu tun? Nein. Bei KI ist ein Token nur eine Texteinheit. Mit digitalen Währungen hat das nichts zu tun.
Weiterlesen
- Was ist ein LLM?. Wie große Sprachmodelle aus Tokens Text machen.
- Was ist ein Prompt?. Kurze, klare Anweisungen sparen Tokens.
- Context Rot. Warum lange Kontexte nicht automatisch bessere Antworten liefern.
- Die Datenspur. Was mit einer Datei passiert, sobald jemand sie weiterverwenden darf.
Fragen zu Tokens, Kontext oder Datenschutz? Schreiben Sie an [email protected] oder nutzen Sie das Kontaktformular in der App.
