
Eine eigene KI zu erstellen heißt in der Praxis fast immer: ein vorhandenes Sprachmodell mit Ihren Dokumenten und Ihren Anweisungen zu verbinden, nicht ein neues Modell zu trainieren. Das gelingt mit einer Wissensdatenbank (Fachbegriff: RAG) und einem Assistenten, dem Sie Rolle und Ton vorgeben. Sie laden Verträge, Richtlinien oder Befundvorlagen hoch, die KI sucht darin und antwortet mit Quellenangabe. Das dauert Minuten statt Monate, kostet kein Rechenzentrum und lässt sich jederzeit ändern, wenn sich Ihre Unterlagen ändern.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Nehmen wir eine erfundene Hausverwaltung, Verwaltung Hoffmann in Bremen. Täglich fragen Mitarbeitende: „Was steht in der Hausordnung zu Grillen auf dem Balkon?" oder „Welche Kündigungsfrist hat der Wartungsvertrag für den Aufzug?"
Die Verwaltung erstellt sich eine eigene KI in drei Schritten:
- Sie lädt Hausordnungen, Wartungsverträge und Beschlüsse in eine Wissensdatenbank.
- Sie legt einen Assistenten an: „Du beantwortest Fragen der Verwaltung sachlich, nennst immer Dokument und Seite und sagst ehrlich, wenn etwas nicht in den Unterlagen steht."
- Das Team stellt Fragen in normaler Sprache.
Trainiert wurde dabei nichts. Das Modell bleibt dasselbe, es bekommt bei jeder Frage nur die passenden Stellen aus den Unterlagen mitgeliefert.
Eigene KI erstellen: die drei Wege
1. Ein Modell selbst trainieren oder feinjustieren (Fine-Tuning). Sie verändern das Modell selbst, indem Sie es mit vielen Beispielen nachtrainieren. Das lohnt sich, wenn ein Modell einen sehr speziellen Stil oder ein festes Ausgabeformat zuverlässig lernen soll. Nachteile: Sie brauchen viele saubere Trainingsdaten, technisches Know-how und Rechenleistung. Neues Wissen „einzutrainieren" ist außerdem unzuverlässig: Das Modell kann Fakten trotzdem verwechseln und zeigt keine Quelle. Und jede Änderung an Ihren Unterlagen bedeutet neues Training.
2. Eine Wissensdatenbank anbinden (RAG). Ihre Dokumente werden durchsuchbar gemacht. Bei jeder Frage sucht das System die passenden Stellen heraus und gibt sie dem Modell zusammen mit der Frage. Das Modell antwortet auf Grundlage dieser Stellen. Vorteile: aktuell (neue Datei hochladen genügt), nachprüfbar (Quelle mit Seite) und ohne Training. Wie das technisch funktioniert, erklärt Was ist RAG?.
3. Einen eigenen Assistenten konfigurieren. Sie geben einem vorhandenen Modell eine feste Rolle, einen Ton und Regeln, etwa „antworte immer in Sie-Form", „nenne Paragrafen" oder „formuliere kurz". Diese Anweisungen gelten für jedes Gespräch.
Warum die meisten Firmen kein eigenes Modell brauchen. Was Praxen, Kanzleien und Büros wollen, ist fast immer: „Die KI soll unsere Unterlagen kennen und in unserem Ton schreiben." Das leisten Weg 2 und Weg 3 zusammen, ohne Trainingsdaten, ohne Entwicklerteam und mit Quellenangabe. Training ist die Ausnahme für Sonderfälle.
Schritt für Schritt mit Wysor
So sieht der Aufbau in Wysor aus:
- Wissensdatenbank anlegen. Ziehen Sie Ihre Dateien hinein: PDFs, auch gescannte, Word-Dateien (.docx), Textdateien und weitere Formate wie Excel und PowerPoint. Einzelne Dateien dürfen bis zu 100 MB groß sein. Text, Tabellen und Diagramme werden automatisch verarbeitet.
- Fragen stellen. Fragen Sie in natürlicher Sprache. Der Knowledge-Base-Agent entscheidet selbst, ob er nach Bedeutung oder nach exakten Begriffen wie einer Klauselnummer sucht, schaut sich bei Bedarf Diagramme und gescannte Seiten an und nennt zu jeder Antwort Dokument und Seite.
- Eigenen Assistenten festlegen. Mit dem Persona Agent geben Sie Name, Rolle, Fachgebiet und Kommunikationsstil vor und schreiben einen Master-Prompt mit Ihren Regeln. Skills wie Zitier-Modus oder strukturierte Ausgabe lassen sich per Klick ergänzen.
- Modell wählen. Beides funktioniert mit GPT, Claude, Gemini und weiteren Modellen. Sie können das Modell mitten im Gespräch wechseln.
- Prüfen und pflegen. Testen Sie mit Fragen, deren Antwort Sie kennen. Ersetzen Sie veraltete Dokumente, statt neue Versionen danebenzulegen.
Wie viele Wissensdatenbanken Sie anlegen können, hängt vom Tarif ab: Free enthält eine, Plus fünf, Premium zwanzig.
Worauf Sie bei vertraulichen Daten achten sollten
Eine eigene KI ist nur so vertraulich wie der Ort, an dem Ihre Dokumente liegen. Wenn Sie Verträge, Personalakten oder Patientenunterlagen hochladen, entscheiden die Bedingungen des Anbieters, was mit ihnen passieren darf.
Die DSGVO schützt nur Informationen über bestimmbare Personen. Erlauben die Bedingungen eine Weiterverwendung oder Anonymisierung Ihrer Inhalte, dürfen die anonymisierten Reste legal gebündelt und verkauft werden. Das ist eine Frage des Vertrags, nicht der Technik. Die Datenspur zeigt, wie das aussieht.
Was das für Ihre KI-Nutzung bedeutet
Vier Fragen, bevor Sie Ihre Dokumente irgendwo hochladen:
- Gibt es einen AVV nach Art. 28 DSGVO?
- Wird mit meinen Dokumenten trainiert, auf irgendeinem Tarif?
- Erlauben die Bedingungen eine Weiterverwendung, auch anonymisiert?
- Wo werden die Dateien gespeichert, und wie sind sie verschlüsselt?
Wysor handelt als Auftragsverarbeiter nach Art. 28 DSGVO, nur nach Ihren Weisungen, und nimmt sich keine Lizenz zur Weiterverwendung Ihrer Inhalte. Wir trainieren nie mit Ihren Dokumenten und verkaufen sie nie, auch nicht anonymisiert. Ihre Dateien sind bei der Übertragung und im Ruhezustand verschlüsselt und in der EU gehostet, und jeder angebundene KI-Anbieter arbeitet mit Zero Data Retention. Diese Zusagen stehen im Vertrag und binden auch jeden, dem Wysor einmal gehören könnte.
Häufige Fragen
Kann ich meine eigene KI erstellen? Ja, und meist ohne Programmierung. Sie verbinden ein vorhandenes Modell mit Ihren Dokumenten (Wissensdatenbank) und geben ihm feste Anweisungen. Ein eigenes Modell zu trainieren ist dafür nicht nötig.
Wie erstelle ich eine KI mit meinen eigenen Daten? Laden Sie Ihre Dokumente in eine Wissensdatenbank und stellen Sie Fragen. Das System sucht bei jeder Frage die passenden Stellen und gibt sie dem Modell mit. So antwortet die KI aus Ihren Unterlagen, mit Quelle.
Was ist der Unterschied zwischen Fine-Tuning und RAG? Beim Fine-Tuning verändern Sie das Modell durch Nachtraining. Bei RAG bleibt das Modell gleich und bekommt bei jeder Frage passende Auszüge aus Ihren Dokumenten. RAG ist leichter aktuell zu halten und zeigt Quellen.
Was kostet eine eigene KI? Ein eigenes Modell zu trainieren kostet Daten, Know-how und Rechenleistung. Eine Wissensdatenbank gibt es in Wysor bereits im kostenlosen Tarif, fünf Wissensdatenbanken mit Plus für 19,99 EUR pro Monat.
Kann ich eine eigene KI für vertrauliche Unterlagen nutzen? Ja, wenn der Anbieter einen AVV bietet, nicht mit Ihren Daten trainiert und keine Weiterverwendung erlaubt. Bei Berufsgeheimnissen brauchen Sie zusätzlich die Einwilligung der Betroffenen oder eine andere gesetzliche Erlaubnis.
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- Was ist RAG?. Retrieval-Augmented Generation einfach erklärt.
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Fragen zum Aufbau Ihrer Wissensdatenbank? Schreiben Sie an [email protected] oder nutzen Sie das Kontaktformular in der App.
